Unter
Evolution versteht man die Entwicklungsgeschichte, die alle
Lebewesen dieser
Erde in vielen Millionen Jahren vor
unserer Zeitrechnung
durchlaufen haben.
Das
erste Tier, das man heute mit Sicherheit als einen der Urahnen des
Pferdes bezeichnen kann, lebte vor gut 50 Millionen Jahren in
Nordamerika und Europa. Dieses etwa hasengrosse Urpferdchen lässt aber
nur an den Backenzähnen den Grundbauplan des Pferdegebisses erkennen,
im übrigen hat es nicht die geringste Ähnlichkeit mit einem Pferd.
Erst dank der Entdeckungen des Evolutionsforschers Othniel
Charles Marsh, der mit seinen Helfern jahrelang in uralten
Erdschichten nach Knochen gegraben hatten, liess sich dieses Lebewesen
eindeutig als Urpferdeform einordnen. Aus seinen zahlreichen Funden
konnte Marsh die vollständigste Fossilienkette eines Säugetierstammes
zusammenstellen, die es gibt.
Die Entwicklungsgeschichte der prähistorischen Pferde wird hier
klar belegt. In den gut hundert Jahren seit Marsh hat man einige neue
Erkenntnisse gewonnen, aber die klassische Kette hat deswegen nichts an
Bedeutung verloren.
Von den mindestens zwölf Pferdegattungen, die sich im Laufe der
Jahrmillionen in Nordamerika entwickelten, zeigten einige einen
besonders ausgeprägten Expansionstrieb. Mindestens zwei wanderten nach
Südamerika, mindestens ebenso viele erreichten über eine einstmals
noch feste Landverbindung in der Gegend der heutigen Beringstrasse
Europa und Asien. Sie alle starben aber wieder aus, während in
Nordamerika die Entwicklung weiterging. Schliesslich entstand die höchstentwickelte
Gattung, Equus genannt. Auch sie wanderte über die Beringbrücke
und setzte sich nicht nur in Europa und Asien, sondern auch in Afrika
erfolgreich durch, starb aber rätselhafterweise in Amerika vor etwa
10000 Jahren aus.
Innerhalb der Gattung entwickelten sich zahlreiche Arten, von
denen heute noch sechs leben: Urwildpferd, Afrikanischer Wildesel,
Asiatischer Wildesel, Steppenzebra, Bergzebra und Grevyzebra. Vom
Urwildpferd gab es verschiedene Formen oder Unterarten wie Urkaltblüter,
Urponys usw. Noch bis in jüngerer Zeit lebten in Europa Wald- und
Steppentarpane. Aus verschiedenen dieser Formen wurden Hauspferde gezüchtet.
Das einzige echte, heute noch lebende Wildpferd ist das
Przewalskipferd. Dem Wildpferd noch sehr nahe stehen das englische
Exmoorpony und das portugiesische Sorraiapferd. Die Dülmener «Wildpferde»
hingegen sind häufig mit verschiedenen Rassen vermischt worden und
sehen nur wildpferdeähnlich aus.
