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ENTWURMUNG (4x ist Pflicht)

 

 Viele verschiedene Methoden und viele verschiedene Mittel finden Anwendung in der Pferdepraxis und im Stallmanagement.


Solange die ganze Sache Methode hat, ist es in Ordnung. Einige, wesentliche Punkte sollten beim Erstellen eines Entwurmungsplanes beachtet werden:

Art der Fütterung (betriebseigenes Futter, zugekauftes Fertigfutter ect.)

Art der Haltung (reine Stallhaltung, stundenweise Koppel oder Weidegang)

Lage und Klima des Stalles (trockene Steppe oder feuchte Bergwiesen)

Stallmanagement (Anzahl der Pferde, Gruppenhaltung, Hygiene)

Bekannte Probleme mit Parasiten in der Vergangenheit


In weiterer Folge sollten Kotproben, gemischt aus verschiedenen Altersgruppen, untersucht werden. Daraus lässt sich sehr gut auf den Gesamtstatus der Belastung durch Endoparasiten schliessen. Und erst das Wissen um die Art der Parasiten ermöglicht die richtige Wahl des am besten wirksamen Medikamentes.

Betroffen ist jedes Pferd. Wurmbefall ist häufig nicht mit Krankheitssymptomen verbunden. Am ehesten ist scheinbar unerklärlicher Leistungsabfall zu beobachten.

 
Viele verschiedene Arten von Würmern machen den Pferden das Leben schwer. Allen gemeinsam ist ein Entwicklungszyklus vom Ei über ein oder mehrere Larvenstadien zum erwachsenen Wurm. Manchmal werden Eier ausgeschieden, Am Boden schlüpfen dann Larven und diese werden wieder mit dem Futter vom Pferd aufgenommen. Besonders unangenehm sind jene Larvenstadien, die ein Wanderung durch den Körper machen. Auf ihrem Weg schädigen sie die betroffenen Organe oft wesentlich mehr als den Darm, wo sie ihre Endstation erreichen.


Je nach Art des Wurmes ist dieser Entwicklungszyklus unterschiedlich. Und je nach Art dieser Fortpflanzung ist das Entwurmungsmanagement anzulegen. Es hat wenig Sinn immer nur die erwachsenen Würmer im Darm zu erwischen und den Larven auf der Wanderschaft den Boden, sprich den Darm frei zu machen für eine neue Besiedelung. Ziel muss es sein, die Larven zu erwischen und so den Zyklus zu unterbrechen. 

Auch hier ist die Empfindlichkeit sehr unterschiedlich. Manche Eier und auch Larven sind hitze- oder kälteresistent, andere brauchen feuchtes und helles Milieu, wieder andere trockene Wiesen oder Lichtabschluss.

Daraus ergibt sich, dass die Kotuntersuchung und die Typisierung der Parasiten ganz wesentlich für die Wahl des richtigen Medikamentes und in weiterer Folge für die richtigen Intervalle bei der Behandlung ist.

Häufiger Weidewechsel, Reinigung von Koppeln und Weiden von Pferdemist, eventuell auch Wechsel der Beweidung mit anderen Tieren wie Schafen oder Rindern wirken sich positiv auf die Weidehygiene aus. Tränken sind regelmässig zu kontrollieren, Fütterung sollte nicht am Boden, sondern von Futterbarren aus geschehen um die Verunreinigung mit Kot zu vermeiden. 

Erwachsene Pferde sind mindestens zu Beginn und am Ende der Weidesaison zu entwurmen und je nach Verwurmungsgrad ein- bis zweimal in der Winterzeit. Vor und nach der Weidezeit hat den Sinn, dass einerseits die Neuinfektion der Weide im Frühjahr gering gehalten wird, andererseits die Tiere im Herbst nicht allzuviel von draussen mit in den Stall bringen.

Bei reiner Stallhaltung ist alle drei Monate zu entwurmen. Neuzugänge sind immer zuerst isoliert zu halten und gezielt zu behandeln. Ebenso sind Gastpferde nicht mit den hauseigenen Tieren zu mischen. 

Eine eigene Gruppe sind die Zuchttiere. Trächtige sind bis zwei Monate vor der Geburt im Abstand von minimal 8 Wochen zu behandeln. Eine einmalige Dosis für die Mutterstute zur Geburt vermindert die Belastung der Muttermilch mit Larven der Zwergfadenwürmer und somit den Magendarmtrakt des Neugeborenen. Anschliessend sind Mutter und Kind alle 8 Wochen zu therapieren. Stuten und Fohlen sollten immer die frischesten und saubersten Stallungen und Weiden bekommen und sind von anderen Pferden getrennt zu halten.

Eine besondere Art der Parasitenbelastung sind die in vielen Gegenden vorkommenden Zecken. Nicht nur, dass sie dem Pferd lästig und dem Reiter oft ekelig sind, können manche von ihnen auch eine äusserst unangenehme Erkrankung übertragen. 

Die Zeckenborreliose ist bei Tier und Mensch bekannt. Lange Zeit wurde das Vorkommen beim Pferd angezweifelt. Mittlerweile gibt es nachgewiesene Fälle.

Für das Vorliegen einer solchen Infektion sprechen Fieber, nervale Symptome und Bewegungsstörungen, hervorgerufen durch Gelenksentzündungen. Meist sind es aber nur unterschwellige Symptome, sodass oft der Tierarzt gar nicht zugezogen wird und so die Erkrankung vorerst unerkannt bleibt.

Die exakte Diagnose braucht genaue Laboruntersuchungen und einiges an Zeit. Beweisend sind erst Laborbefunde und das Funktionieren der Antibiotikatherapie. Da es keine Schutzimpfung gibt, ist nur tägliches Kontrollieren auf Zeckenbefall und das Meiden von verseuchten Gebieten halbwegs zielführend.

Hygiene und Kontrolle bei der Haltung von Pferden ist also auch bei der Vorbeuge gegen Parasitenbefall und seine krankmachenden Folgen von Vorteil. Zur Gänze zu vermeiden ist das Problem nicht. Mit Hilfe exakter Diagnostik durch ihren Tierarzt ist die Belastung sowohl des Pferdes durch Parasiten, aber auch durch nicht ungiftige Parasitenmittel, als auch ihres Geldbeutels wegen des gezielten Einsatzes gering zu halten.

Richtiges Entwurmen hilft doppelt sparen. Einerseits am Einsatz von Präparaten, andererseits an Behandlungskosten für Krankheiten im Gefolge von Wurmbelastungen.

Die Wurmkuren sollten jährlich gewechselt werden, um Resistenzen zu vermeiden. Die für die Pferdepraxis empfohlenen Wurmmittel haben im allgemeinen eine sehr gute Verträglichkeit und sind hochwirksam. Daher können die meisten Präparate ohne Risiko mit dem Futter bzw. ins Pferdemaul appliziert werden und bei tragenden bzw. milchgebenden Stuten und Fohlen angewandt werden.

1. Saugwürmer (Klasse der Trematoden) Bei Pferden kommt es nur sehr vereinzelt zu einer Infektion von Saugwürmer. Die bekanntesten sind dabei der Leberegel (bei 60-80% der Pferde in Westirland) und der kleine Leberegel.

2. Bandwürmer (Klasse der Zestoden) Beim Pferd sind drei verschiedene Bandwurmarten bekannt. Eine 1-4 cm lange Art kann sich im Dünndarm, eine 80 cm lange Art kann sich im Leerdarm und und die am häufigsten gefundene 12 - 25 cm lange Bandwurmart kann sich zwischen Hüft- und Blinddarm niederlassen. Sechs bis zehn Wochen nach der Infektion kommt es zum Ausscheiden der Eier bzw. Bandwurmglieder, diese sind jedoch nicht immer und schwierig nachzuweisen. Eine Befall mit Bandwürmern kann aufgrund von Nahrungsentzug, Toxinen, aber vor allem durch Schleimhautdefekten, Blutungen und Entzündungen der Darmschleimhaut  zu Koliken, Verdauungsstörungen und Durchfall führen. Meistens liegt nur ein schwacher Bandwurmbefall vor, so daß diese Krankheitsanzeichen ausbleiben. Untersuchungen bei Pferden in Norddeutschland haben ergeben, dass ca. 35 % der Pferde unter Bandwürmern litten.

Entwicklung der Saugwürmer über einen Zwischenwirt: Schnecke, der Bandwürmer über Moosmilben,

3. Faden- und Rundwürmer (Klasse der Nematoden) Die wesentlichen und meisten Erkrankungen durch Würmer werden durch die Faden- und Rundwürmer verursacht. Diese Würmer besitzen keinen Zwischenwirt.

3.1. Zwergfadenwurm (3-9 mm lang, S. westeri) Dies ist ein häufiger Dünndarmparasit beim Fohlen, der über die Milch aufgenommen werden kann, jedoch dringen Larven ansonsten über die Haut in das Pferd ein (Gefäßen - Herz - Lunge - Luftröhre - in den Darm). Nach dem Befall dieser Wurmart entwickeln die Jungtiere eine gewisse Immunität, so daß es bei einer Reinfektion zur Abkapselung kommt.

3.2. Palisadenwürmer ( 2-4 cm große Strongylus vulgaris, S. equinus, edentatus und die kleinen Strongyliden) sind die häufigsten und wirtschaftlich bedeutendsten Fadenwürmer beim Pferd. Diese Würmer können ohne einen Zwischenwirt sich sowohl im Pferd als auch teilweise außerhalb entwickeln. Während ihrer Entwicklung können sie eine Ruhepause im Pferd einlegen (Hypobiose).  Die Zeit von der Infektion (mit einer Larve) bis zur Ausscheidung der Eier (Entwicklung zum Adulten) ist je nach Wurmart unterschiedlich. Bei den kleinen Strongyliden dauert diese nur 7-9 Wochen und die Ausscheidung der Eier findet zwischen Juni und Mitte Oktober statt. Die großen Strongyliden differieren von 7 bis zu ca. 12 Monaten (letztere S. edentatus). Die Ausscheidung der Eier kann bis zu 1 1/2 Jahren dauern.

Wichtig noch zu wissen ist, das diese Wurmarten Dickdarmbewohner sind (teilweise mit einer Wanderung durch die Leber: S. equinus und S. edentatus) und anfänglich teilweise zu Fieber mit Freßunlust,  Koliken, aber auch Abmagerungen, chronischem Durchfall etc. führen. Verirrte Larven können das Rückenmark schädigen und zu Lahmheiten der Hinterhand führen.

Im Sommer bleiben die Larven auf der Weide bis zu 6 Wochen lebensfähig und im Winter stirbt ein erheblicher Prozentsatz ab, doch sind die im Herbst noch beweideten Wiesen im Frühjahr nicht larvenfrei!!! Diese können bis in den Juni auf der Weide lebensfähig bleiben.

Durch Bodentrocknung gewonnenes Heu ist larvenfrei, in gerüstgetrocknetem Heu bleiben Larven der großen Strongyliden mehrere Wochen, der kleinen bis zu 8 Monate lebensfähig.

3.3. Spulwürmer wird vor allem bei Fohlen und Jährlingen beobachtet (Parascaris equorum). Die Entwicklung geht von der Leber in die Lunge und über die Luftröhre in den Dünndarm. Die Ausscheidung der Eier erfolgt nach ca. 3 Monaten (Nachweis im Kot) und dauert höchsten 2 Jahre. Die Tiere sind eher mager, können Koliken, zeigen Freßunlust. Kotentfernung und eine intensive Stallreinigung sind hier Priorität.

3.4. Pfriemenschwänze (Oxyuris und Probsmayria) Diese Wurmarten (Dickdarmbewohner) führt unseren Pferden keine große Schädigung zu, jedoch legt das Weibchen der Oxyuren seine Eier im Paket am Anus ab. Diese Eischnüre trocknen dann ein und führen zu einem starken Juckreiz und Scheuern der Schweifrübe! Probstmayria fühlt sich so wohl, daß er meistens jahrelang im Darm bleibt. Diese beiden Genossen werden sehr gut mit der Herbstentwurmung verabschiedet. Wobei auch die oben genannten hygienische Maßnahmen nicht zu vergessen sind.

3.5. Lungenwurm (Dicyocaulus arnfieldi) ist einer der Würmer, der den Winter auf der Weide nicht übersteht. Das Problem was man bei dem einzigen Lungenwurm der Pferde hat, ist das 80% der Esel, die mit dieser Wurmart befallen sind, keine klinischen Anzeichen zeigen. Sie scheiden ihr ganzes Leben die Eier aus. Daher treten bei Pferden meist nur ein Lungenwurmbefall auf, wenn sie mit Eseln zusammenstehen. Außerdem kann man beim Pferd die Eier nicht im Kot nachweisen, dies ist nur beim Esel möglich. Daher sollte Schleim aus der Luftröhre entnommen werden zum eventuellen Nachweis der Larven. Das Pferd leidet unter einer Bronchitis mit anhaltendem, trockenem Husten.

3.6. Rollschwänze (Habronema und Thelazien) Habronemaarten kommen im Magen des Pferdes vor und werden über Stechfliegen übertragen. Die von den Nüstern in den Magen gelangenden Larven sorgen für eine Magenentzündung. Zeitweise können verirrte Larven auch in der warmen Jahreszeit zu schlecht heilenden Sommerwunden (Kopf, Sattellage, Beinen) führen.

Thelazien sind bis zu 2 cm große Parasiten der Bindehäute, die auch über Fliegen übertragen werden und eine Augenentzündung hervorrufen können

Hier sind einige der interessantesten und wichtigsten parasitischen Wurmarten der Pferde angesprochen worden, jedoch noch nicht alle. Andere hier nicht erwähnte Wurmarten kommen z.B. aus den USA, Osteuropa, Asien, aber auch bei uns vor. 

 

April Mai Juni Juli August September Oktober November
Rund- und Bandwürmer Rundwürmer Rund- und Bandwürmer Rund- und Bandwürmer, Magendasseln

 

Wirkstoff Moxidectin Praziquantel Ivermectin Pyrantel Benzimidazole
Parasitenart Rundwürmer, Magendasseln alle bekannten Bandwürmer, wenn hoch genug dosiert breites Spektrum gegen Rundwürmer, Magendasseln Schmales Spektrum gegen Rundwürmer Schmales Spektrum gegen Rundwürmer
Wirkzeit lang kurz lang kurz kurz
Resistenzen keine keine keine keine 50% Resistenzen bei kleinen Palisaden- würmern
Hersteller / Name des Produktes Equest Droncit Equimax (enthält auch Ivermectin)  Eraquell Furexel  Ivomec Equimax (enthält auch Praziquantel)  Banminth Equivermon Jernadex Verminal Panacur
Telmin
Rintal

Die meisten Wurmkuren sind bis maximal 600kg Körpergewicht ausgelegt, daher ist es absolut wichtig das genaue Körpergewicht zu ermitteln, da oft auch große Warmblüter dieses Gewicht überschreiten. Eine Unterdosierung bewirkt, dass sich Resistenzen bilden, daher ist es ratsam 
etwas überzudosieren.

 

 
 © 2009 Hartmann
Stand: 03. FOkt 2009