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ENTWURMUNG
(4x ist Pflicht)
Viele
verschiedene Methoden und viele verschiedene Mittel finden Anwendung in der
Pferdepraxis und im Stallmanagement.
Betroffen
ist jedes Pferd. Wurmbefall ist häufig nicht mit Krankheitssymptomen verbunden.
Am ehesten ist scheinbar unerklärlicher Leistungsabfall zu beobachten.
Auch
hier ist die Empfindlichkeit sehr unterschiedlich. Manche Eier und auch Larven
sind hitze- oder kälteresistent, andere brauchen feuchtes und helles Milieu,
wieder andere trockene Wiesen oder Lichtabschluss. Daraus
ergibt sich, dass die Kotuntersuchung und die Typisierung der Parasiten ganz
wesentlich für die Wahl des richtigen Medikamentes und in weiterer Folge für
die richtigen Intervalle bei der Behandlung ist. Häufiger
Weidewechsel, Reinigung von Koppeln und Weiden von Pferdemist, eventuell auch
Wechsel der Beweidung mit anderen Tieren wie Schafen oder Rindern wirken sich
positiv auf die Weidehygiene aus. Tränken sind regelmässig zu kontrollieren, Fütterung
sollte nicht am Boden, sondern von Futterbarren aus geschehen um die
Verunreinigung mit Kot zu vermeiden. Erwachsene
Pferde sind mindestens zu Beginn und am Ende der Weidesaison zu entwurmen und je
nach Verwurmungsgrad ein- bis zweimal in der Winterzeit. Vor und nach der
Weidezeit hat den Sinn, dass einerseits die Neuinfektion der Weide im Frühjahr
gering gehalten wird, andererseits die Tiere im Herbst nicht allzuviel von
draussen mit in den Stall bringen. Bei
reiner Stallhaltung ist alle drei Monate zu entwurmen. Neuzugänge sind immer
zuerst isoliert zu halten und gezielt zu behandeln. Ebenso sind Gastpferde nicht
mit den hauseigenen Tieren zu mischen. Eine
eigene Gruppe sind die Zuchttiere. Trächtige sind bis zwei Monate vor der
Geburt im Abstand von minimal 8 Wochen zu behandeln. Eine einmalige Dosis für
die Mutterstute zur Geburt vermindert die Belastung der Muttermilch mit Larven
der Zwergfadenwürmer und somit den Magendarmtrakt des Neugeborenen.
Anschliessend sind Mutter und Kind alle 8 Wochen zu therapieren. Stuten und
Fohlen sollten immer die frischesten und saubersten Stallungen und Weiden
bekommen und sind von anderen Pferden getrennt zu halten. Eine
besondere Art der Parasitenbelastung sind die in vielen Gegenden vorkommenden
Zecken. Nicht nur, dass sie dem Pferd lästig und dem Reiter oft ekelig sind, können
manche von ihnen auch eine äusserst unangenehme Erkrankung übertragen. Die
Zeckenborreliose ist bei Tier und Mensch bekannt. Lange Zeit wurde das Vorkommen
beim Pferd angezweifelt. Mittlerweile gibt es nachgewiesene Fälle. Für
das Vorliegen einer solchen Infektion sprechen Fieber, nervale Symptome und
Bewegungsstörungen, hervorgerufen durch Gelenksentzündungen. Meist sind es
aber nur unterschwellige Symptome, sodass oft der Tierarzt gar nicht zugezogen
wird und so die Erkrankung vorerst unerkannt bleibt. Die
exakte Diagnose braucht genaue Laboruntersuchungen und einiges an Zeit.
Beweisend sind erst Laborbefunde und das Funktionieren der Antibiotikatherapie.
Da es keine Schutzimpfung gibt, ist nur tägliches Kontrollieren auf
Zeckenbefall und das Meiden von verseuchten Gebieten halbwegs zielführend. Hygiene
und Kontrolle bei der Haltung von Pferden ist also auch bei der Vorbeuge gegen
Parasitenbefall und seine krankmachenden Folgen von Vorteil. Zur Gänze zu
vermeiden ist das Problem nicht. Mit Hilfe exakter Diagnostik durch ihren
Tierarzt ist die Belastung sowohl des Pferdes durch Parasiten, aber auch durch
nicht ungiftige Parasitenmittel, als auch ihres Geldbeutels wegen des gezielten
Einsatzes gering zu halten. Richtiges
Entwurmen hilft doppelt sparen. Einerseits am Einsatz von Präparaten,
andererseits an Behandlungskosten für Krankheiten im Gefolge von
Wurmbelastungen. Die
Wurmkuren sollten jährlich gewechselt werden, um Resistenzen zu
vermeiden. Die für die Pferdepraxis empfohlenen Wurmmittel haben im allgemeinen
eine sehr gute Verträglichkeit und sind hochwirksam. Daher können die meisten
Präparate ohne Risiko mit dem Futter bzw. ins Pferdemaul appliziert werden und
bei tragenden bzw. milchgebenden Stuten und Fohlen angewandt werden. 1.
Saugwürmer (Klasse der Trematoden)
Bei Pferden kommt es nur sehr vereinzelt zu einer Infektion von Saugwürmer.
Die bekanntesten sind dabei der Leberegel (bei 60-80% der Pferde in Westirland)
und der kleine Leberegel. 2.
Bandwürmer (Klasse der Zestoden)
Beim Pferd sind drei verschiedene Bandwurmarten bekannt. Eine 1-4 cm lange Art
kann sich im Dünndarm, eine 80 cm lange Art kann sich im Leerdarm und
und die am häufigsten gefundene 12 - 25 cm lange Bandwurmart kann sich zwischen
Hüft- und Blinddarm niederlassen. Sechs bis zehn Wochen nach der Infektion
kommt es zum Ausscheiden der Eier bzw. Bandwurmglieder, diese sind jedoch nicht
immer und schwierig nachzuweisen. Eine Befall mit Bandwürmern kann aufgrund von
Nahrungsentzug, Toxinen, aber vor allem durch Schleimhautdefekten, Blutungen und
Entzündungen der Darmschleimhaut zu Koliken, Verdauungsstörungen und
Durchfall führen. Meistens liegt nur ein schwacher Bandwurmbefall vor, so daß
diese Krankheitsanzeichen ausbleiben. Entwicklung
der Saugwürmer über einen Zwischenwirt: Schnecke, der Bandwürmer
über Moosmilben, 3.
Faden- und Rundwürmer (Klasse
der Nematoden) Die wesentlichen und meisten Erkrankungen durch Würmer werden
durch die Faden- und Rundwürmer verursacht. Diese Würmer besitzen keinen
Zwischenwirt. 3.1.
Zwergfadenwurm (3-9 mm lang, S. westeri) Dies ist ein häufiger Dünndarmparasit
beim Fohlen, der über die Milch aufgenommen werden kann, jedoch dringen
Larven ansonsten über die Haut in das Pferd ein (Gefäßen - Herz - Lunge -
Luftröhre - in den Darm). Nach dem Befall dieser Wurmart entwickeln die
Jungtiere eine gewisse Immunität, so daß es bei einer Reinfektion zur
Abkapselung kommt. 3.2.
Palisadenwürmer ( 2-4 cm große Strongylus vulgaris, S. equinus,
edentatus und die kleinen Strongyliden) sind die häufigsten und
wirtschaftlich bedeutendsten Fadenwürmer beim Pferd. Diese Würmer können
ohne einen Zwischenwirt sich sowohl im Pferd als auch teilweise außerhalb
entwickeln. Während ihrer Entwicklung können sie eine Ruhepause im
Pferd einlegen (Hypobiose). Die Zeit von der Infektion (mit einer Larve)
bis zur Ausscheidung der Eier (Entwicklung zum Adulten) ist je nach Wurmart
unterschiedlich. Bei den kleinen Strongyliden dauert diese nur 7-9 Wochen und
die Ausscheidung der Eier findet zwischen Juni und Mitte Oktober statt. Die großen
Strongyliden differieren von 7 bis zu ca. 12 Monaten (letztere S. edentatus).
Die Ausscheidung der Eier kann bis zu 1 1/2 Jahren dauern. Wichtig
noch zu wissen ist, das diese Wurmarten Dickdarmbewohner sind (teilweise
mit einer Wanderung durch die Leber: S. equinus und S. edentatus) und anfänglich
teilweise zu Fieber mit Freßunlust, Koliken, aber auch
Abmagerungen, chronischem Durchfall etc. führen. Verirrte Larven können das Rückenmark
schädigen und zu Lahmheiten der Hinterhand führen. Im
Sommer bleiben die Larven auf der Weide bis zu 6 Wochen lebensfähig und
im Winter stirbt ein erheblicher Prozentsatz ab, doch sind die im Herbst noch
beweideten Wiesen im Frühjahr nicht larvenfrei!!! Diese können bis in den Juni
auf der Weide lebensfähig bleiben. Durch
Bodentrocknung gewonnenes Heu ist larvenfrei, in gerüstgetrocknetem Heu bleiben
Larven der großen Strongyliden mehrere Wochen, der kleinen bis zu 8 Monate
lebensfähig. 3.3.
Spulwürmer wird vor allem bei Fohlen und Jährlingen beobachtet (Parascaris
equorum). Die Entwicklung geht von der Leber in die Lunge und über die Luftröhre
in den Dünndarm. Die Ausscheidung der Eier erfolgt nach ca. 3 Monaten
(Nachweis im Kot) und dauert höchsten 2 Jahre. Die Tiere sind eher mager, können
Koliken, zeigen Freßunlust. Kotentfernung und eine intensive Stallreinigung
sind hier Priorität. 3.4.
Pfriemenschwänze (Oxyuris und Probsmayria) Diese Wurmarten (Dickdarmbewohner)
führt unseren Pferden keine große Schädigung zu, jedoch legt das Weibchen der
Oxyuren seine Eier im Paket am Anus ab. Diese Eischnüre trocknen dann ein und führen
zu einem starken Juckreiz und Scheuern der Schweifrübe! Probstmayria fühlt
sich so wohl, daß er meistens jahrelang im Darm bleibt. Diese beiden Genossen
werden sehr gut mit der Herbstentwurmung verabschiedet. Wobei auch die oben
genannten hygienische Maßnahmen nicht zu vergessen sind. 3.5.
Lungenwurm (Dicyocaulus arnfieldi) ist einer der Würmer, der den Winter
auf der Weide nicht übersteht. Das Problem was man bei dem einzigen Lungenwurm
der Pferde hat, ist das 80% der Esel, die mit dieser Wurmart befallen
sind, keine klinischen Anzeichen zeigen. Sie scheiden ihr ganzes Leben die Eier
aus. Daher treten bei Pferden meist nur ein Lungenwurmbefall auf, wenn sie mit
Eseln zusammenstehen. Außerdem kann man beim Pferd die Eier nicht im Kot
nachweisen, dies ist nur beim Esel möglich. Daher sollte Schleim aus der Luftröhre
entnommen werden zum eventuellen Nachweis der Larven. Das Pferd leidet unter
einer Bronchitis mit anhaltendem, trockenem Husten. 3.6.
Rollschwänze (Habronema und Thelazien) Habronemaarten kommen im Magen
des Pferdes vor und werden über Stechfliegen übertragen. Die von den Nüstern
in den Magen gelangenden Larven sorgen für eine Magenentzündung.
Zeitweise können verirrte Larven auch in der warmen Jahreszeit zu schlecht
heilenden Sommerwunden (Kopf, Sattellage, Beinen) führen. Thelazien
sind bis zu 2 cm große Parasiten der Bindehäute, die auch über Fliegen übertragen
werden und eine Augenentzündung hervorrufen können
Die meisten Wurmkuren sind bis maximal 600kg
Körpergewicht ausgelegt, daher ist es absolut wichtig das genaue Körpergewicht zu
ermitteln, da oft auch große Warmblüter dieses Gewicht überschreiten. Eine
Unterdosierung bewirkt, dass sich Resistenzen bilden, daher ist es ratsam
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© 2009 Hartmann
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