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Hufrollenentzündung

 

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Hufrollenentzündung

 

Das Strahlbein ist ein kleiner, schiffchenartiger Knochen im Bereich des Hufgelenkes. Es liegt am hinteren Rand des Gelenkes zwischen Hufbein und Kronbein und dient gleichsam als Umlenkrolle für die tiefe Beugesehne, die vom Bein kommend über das Strahlbein läuft und am Hufbein ansetzt.  

Zwischen Sehne und Knochen liegt als Polster ein Schleimbeutel. Veränderungen an der glatten Knochengelenksfläche und / oder am Schleimbeutel behindern die Beugesehne in ihrer Funktion, führen zu Entzündungen und damit zu Schmerz.

Die Gründe für diese schmerzverursachenden Veränderungen sind vielfältig und bis heute nicht alle endgültig geklärt. Grundsätzlich wird das Auftreten der Hufrolle vom Prinzip "Druck erzeugt Gegendruck" geprägt. Der ständige Druck der Sehne auf den Schleimbeutel und den Knochen läßt diese mit der Zeit ermüden, das Gewebe verliert an Elastizität und irgendwann reagiert der Körper dann mit Entzündungen.

Der Zeitpunkt des Auftretens hängt sehr wahrscheinlich von den anatomischen Grundvoraussetzungen einerseits und von der jeweiligen Nutzung des Pferdes und damit von der Abnutzung des Hufgelenkbereiches andererseits ab.

Rassetypisches Auftreten konnte bisher nicht nachgewiesen werden, sehr wohl aber gehäuftes Vorkommen innerhalb von einzelnen Linien. Oft ist zu beobachten, daß Stuten mit einer diagnostizierten, chronischen Hufrollenentzündung aus dem Sport genommen werden müssen und dann aus wirtschaftlichen Gründen in die Zucht gehen. Bei Nachkommen solcher Mütter ist überdurchschnittlich oft mit ähnlichen Problemen zu rechnen.

Die Relation zwischen Hufgröße und Körpergewicht ist ebenfalls zu beachten. Je kleiner der Huf und je schwerer das Pferd, umso größer die Bereitschaft zum Hufrollensyndrom.

Weiteres wird auch die Winkelung des Hufes zum Kronbein diskutiert. Je steiler die Fesselung, umso eher das Auftreten, weil mehr Druck durch die Sehne aufs Strahlbein mehr Degeneration provoziert.

Die den Quarter Horses nachgesagte erhöhte Anfälligkeit ist eher ein diagnostisches Problem. Die gegenüber europäischen Rassen überaus stark bemuskelten Tiere neigen vielmehr zu Verspannungen speziell im Rückenbereich. Diese zeigen dann häufig für Laien eine ähnliche Symptomatik speziell im Gangbild. Dies zu unterscheiden ist Aufgabe einer exakten tierärztlichen Untersuchung. Die in Relation zur Körpermasse häufig eher kleinen Hufe können allerdings Probleme in diesem Bereich verursachen.

Um die chronische Hufrollenerkrankung von anderen Erkrankungen im Bereich des Beines, im besonderen des Hufes, zu unterscheiden sind mehrere Untersuchungen nötig.

Mit Hilfe von verschiedenen Röntgenaufnahmen lassen sich knöcherne Veränderungen nachweisen. Deren Vorhandensein oder auch Nichtvorhandensein alleine ist aber nicht aussagekräftig genug. Mit diversen Injektionen eines örtlich wirkenden Anästhetikums werden Nerven blockiert und so verschiedene Teile des Zehenbereiches schmerzfrei gemacht. Dadurch wird der Verdacht weitgehend in den Bereich rund um Strahlbein und Hufgelenk eingeengt.

Aus der Vielzahl der möglichen und bisher noch nicht restlos geklärten Ursachen ergibt sich die bisher auch eher unbefriedigende Therapie im Sinne von Heilung durch Beseitigung der krankmachenden Ursache.

Butazolidine hemmen im Frühstadium der Erkrankung die Entzündung und reduzieren den dabei auftretenden Schmerz.

Isoxsuprine soll die Durchblutung im Hufbereich fördern und damit die Knorpeldegeneration hemmen und eine limitierte Heilung hervorrufen. Diese Wirkung wird aber in neueren Untersuchungen angezweifelt.

Gelenksinjektionen hemmen die Entzündung und den Schmerz, manche helfen auch beim Wiederaufbau zerstörten Knorpelgewebes.

Die Neurektomie, das Durchtrennen des diese Region versorgenden Nervs, ist als letzte Möglichkeit zur Schmerzausschaltung bei chronisch verändertem Krankheitsbild in Erwägung zu ziehen. Hierbei wird nicht der Hauptnerv durchtrennt, sondern nur der, welcher die Hufrolle versorgt, so bleibt der Tastsinn des Hufes erhalten. Allerdings bleibt zu bemerken, dass nach etwa 4 - 5 Jahren die Nervenenden sich erneut verbinden. Danach ist eine erneute Operation nur noch in höheren Beinbereich möglich, wobei das Pferd dann den Tastsinn mit verliert. Als Reitpferd steht es dann nicht mehr zur Verfügung, da das Pferd vermehrt zu stolpern beginnt und die Gefahr von Stürzen enorm steigt

Eine andere Form der Therapie stellt die Akupunktur dar.

Welche Therapie im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von der jeweiligen genauen tierärztlichen Diagnose ab. Erfahrungsgemäß sind aber weniger als die Hälfte aller  ursprünglich als Hufrolle vermuteten Fälle nach der Untersuchung durch den Tierarzt auch wirklich chronische Entzündungen des Strahlbeines.

 

 
 © 2009 Hartmann
Stand: 03. Okt 2009