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Impfung (Tollwut, Tetanus, Influenza, Herpes)

Die Fohlen des heurigen Jahrganges werden bald abgesetzt und die ersten Schutzimpfungen 
stehen an. Auch bei den Turnieren werden die Pässe immer genauer kontrolliert und so nehmen 
die Fragen bezüglich Impfen wieder deutlich zu.

 
Schutzimpfungen sind in der Pferdepraxis weitverbreitet. In der Geschichte der Kontrolle diverser infektiöser Krankheiten nehmen sie einen breiten Raum ein.

Wenig schützt das Pferd vor den Problemen diverser Krankheiten so leicht und effektiv wie eine Schutzimpfung. In unseren Breiten sind Impfungen gegen Tollwut-, Grippe-, Tetanus- und Herpes-
infektionen offiziell zugelassen. In den USA sind derzeit auch Impfungen gegen Druse und gegen 
eine spezielle, von Rhodococcus equi verursachte Lungenentzündung der Fohlen in Verwendung.

 Was verursacht eine Schutzimpfung im Körper des Tieres und wie funktioniert sie ?

Man stelle sich ein Virus, also einen Krankheitserreger, als mehr oder weniger kompliziert gebautes Gebilde dar. Jedes Virus hat eine spezielle Form, z.B. rund, oval oder 12 eckig. 
Bei einer Infektion erkennt nun der Körper, dass hier ein Fremdstoff eingedrungen ist und bildet mit 
Hilfe seines Immunsystems sogenannte Antikörper. Diese haben die Form eines Models, welches 
ganz genau ein Negativabdruck des Erregers ist. Dieser Antikörper ist nun in der Lage das Virus einzuschließen und unschädlich zu machen.

Das Immunsystem lernt durch den Kontakt mit einem Virus dieses zu erkennen und entsprechende Antikörper auf den Weg zu schicken. Im Gedächtnis des Immunsystems bleibt dieses Wissen für 
längere Zeit gespeichert. Eine spezielle Immunität gegen eine Krankheit ist aufgebaut. Falls es 
keinen weiteren Kontakt mit entsprechendem Virus gibt, geht dieses Wissen allmählich wieder 
verloren und damit die Immunität.

Diesen Mechanismus macht sich nun der Mediziner bei der Schutzimpfung zu Nutzen.

Totes Virus, manchmal auch nur die spezielle Hülle des Erregers, wird dem Tier injiziert. Das Immun- 
system reagiert auf die oben beschriebene Art und bildet Antikörper gegen diese spezielle Krankheit.

Um einen optimalen Immunitätsaufbau zu bewirken ist am Anfang zur Grundimmunisierung eine 
kurzfristige Wiederholung der Impfung notwendig. Erst so kann das Immunsystem langfristig spezifisch gegen einen Erreger arbeiten. Ist diese ordnungsgemäß durchgeführt, reichen Auffrischungsimpfungen 
je nach Krankheitserreger im Abstand von 6 Monaten bis zu 2 Jahren.

 Zu Beginn eines Pferdelebens erhält das Fohlen über die erste Muttermilch entsprechende Antikörper direkt übertragen. Der Verdauungstrakt des Fohlens ist aber nur in den ersten 12 bis 24 Stunden in der Lage diese Antikörper in den Blutkreislauf zu leiten. Es ist deshalb besonders wichtig, dass die Fohlen möglichst früh genügend Milch aufnehmen und dass diese sogenannte Kollostralmilch genügend Anti-
körper enthält.

Es können aber auch nur jene Antikörper von der Mutter auf das Fohlen weitergegeben werden, die die Mutter selbst vorher auf Grund von Impfungen gebildet hat. Eine vollständige und sachgemäße Schutz-
impfung von trächtigen Stuten ist daher unbedingt notwendig.
Diese über die Muttermilch aufgenommen sogenannten mütterlichen Antikörper werden in den ersten Lebensmonaten im Organismus des Fohlen langsam wieder abgebaut. Zwischen drittem und sechstem Lebensmonat sind sie zur Gänze aufgebraucht und die ersten Schutzimpfungen sollten verabreicht werden.

Das Problem liegt nun vor allem darin, dass, sollten noch genügend mütterliche Antikörper vorhanden sein, diese Impfung erfolglos – ja sogar kontraproduktiv ist. Es werden nämlich keine neuen Antikörper provoziert, sondern die mütterlichen verbraucht und das eigene Immunsystem, weil noch nicht konditioniert, nicht zur Produktion neuer angeregt.

Es wäre daher ratsam erst später mit den Impfungen zu beginnen. Sind aber nun von Anfang an wenige mütterliche Antikörper vorhanden, so entsteht durch dieses längere Warten ein schutzloser Zeitraum für 
das Fohlen.

Dementsprechend unterschiedlich sind die Angaben zur optimalen Grundimmunisierung.

Allgemein gültig scheint aber, dass in gefährdeten Beständen, dieses sind vor allem Ställe mit viel Pferde- 
und Personenverkehr, frühzeitig und öfters zu impfen ist, als bei mehr oder weniger isolierter Einzelhaltung.
Steht das Fohlen also in einem Gestüt, wo viele fremde Tiere mit unbekanntem oder zweifelhaftem Impfstatus kommen und gehen, dann kann die Grundimmunisierung schon mit 6 Wochen beginnen. Wer sein Fohlen zu Hause stehen hat, die Mutterstute regelmäßig geimpft wurde und kaum Kontakte zu fremden Pferden im Stall hat, kann auch erst mit 4 bis 6 Monaten beginnen.

Neben der Art der Aufzucht und der mütterlichen Vorgeschichte ist der lokale seuchenhygienische Standort entscheidend für Art und Inhalt notwendiger Schutzimpfungen.

In Gebieten, wo Tollwut aufgetreten ist, wird es vorteilhaft sein, auch die Pferde gegen Tollwut zu impfen. Das Virus breitet sich von der Eintrittspforte, meist Bisswunden oder Schleimhautverletzungen, entlang der Nerven aus und befällt das Gehirn. 
Durch fortschreitende Störung diverserer Hirnfunktion tritt der Tod ein. In tollwutfreien Gebieten ist solch eine Impfung sinnlos und lediglich eine Belastung für das Immunsystem. Wer nicht nach Afrika fährt, sondern in Deutschland Urlaub macht, wird auch keine Malariaprophylaxe durchführen. Die Grundimmunisierung umfasst zwei Impfungen im Abstand von 4 bis 6 Wochen. Auffrischungsimpfungen sind jährlich erforderlich.

Tetanus ist eine überall vorkommende, seltene, aber fast immer tödlich verlaufende Krankheit. Diese Schutzimpfung ist nicht nur für das Pferd dringend zu empfehlen, sondern auch für alle jene Personen, die viel mit Pferden zu tun haben. Der Tetanuserreger ist ein Toxin- (Giftstoff) produzierendes Bakterium. Besonders fatal sind die von diesem produzierten Sporen, die wie jene von Pilzen jahrelang im Boden verharren  und überleben, dann in entsprechendem Milieu – feuchte, kleine, verschlossene Wunden – wieder akitv und krankmachend werden können. Die erste Wunde ist bereits beim neugeborenen Fohlen der Nabel. Und dann sind gerade beim Pferd immer wieder kleine Verletzungen an den Beinen optimale Eintrittspforten.
Der Erreger bewirkt fortschreitende Erregbarkeit und Muskelsteifheit bis hin zum qualvollen Ersticken durch Atemlähmung.Geimpft wird ab der 6. Lebenswoche zweimal in 6 wöchigem Abstand. Die dritte Impfung erfolgt nach 6 Monaten, Auffrischungen sollen alle 1 bis 2 Jahre durchgeführt werden.

Influenza ist die am weitesten verbreitete Infektionskrankheit beim Pferd. Husten, Schnupfen und Halsbeschwerden mit unterschiedlich hohem Fieber sind die klassischen Symptome. Ähnlich der Grippe beim Menschen ist die Übertragung durch die Luft sehr leicht. Auch die Symptome sind ähnlich. Regelrechte Seuchenzüge können fast jedes Jahr während der Turniersaison beobachtet werden. 
Ähnlich ist auch die Problematik dieser Impfung. Da das Virus immer wieder seine Form leicht verändert, müssen auch die Impfstoffe immer wieder den neuen Stämmen angepasst werden. Geimpfte Tiere können erkranken, der Verlauf ist aber wesentlich milder als bei Ungeimpften. Unbedingt einhalten sollte man eine belastungsfreie Zeit nach Abklingen der Symptome, um spätere Komplikationen, vor allem der Lunge, zu vermeiden. Grundimmunisierung zweimal im Abstand von 4 bis 6 Wochen, Wiederholungsimpfungen alle 6 bis 9 Monate.

Herpes ist ein äußerst, wie auch beim Menschen, unangenehmes Virus. Dieser Erreger hat eine besondere Vorliebe für Schleimhäute und Nervengewebe. Er verändert auch ständig sein Äußeres, ist in verschiedenen Typen vorhanden und daher für Antikörper nur schwer erkennbar. Das Herpesvirus verbirgt sich oft wochen- und monatelang reaktionslos in Schleimhäuten und wird bei  Streßsituationen oder Immunschwäche wieder aktiv. Auch die menschliche Fieberblase wird von Herpesviren verursacht. Wer einmal eine aufgeschnappt hat, bekommt sie immer wieder.
Je nach Lokalisation bewirkt der Erreger unterschiedliche Krankheitssymptome. Einerseits wird eine fieberhafte Entzündung der Kopfschleimhäute bis zur Lungenentzündung hervorgerufen.

In seiner zweiten Verlaufsform kann das Virus als Spätfolge auch die Gebärmutter und den Mutterkuchen der trächtigen Stute besiedeln und so einen Abortus im Frühjahr verursachen. Nur regelmäßiges Impfen schützt.

Grundimmunisierung zweimal im Abstand von 4 bis 6 Wochen. Auffrischungen alle 4 bis 6 Monate. Optimal geimpfte Mutterstuten sollen zweimal im 4. und 7. Trächtigkeitsmonat nachgeimpft werden. Zusätzliche Impfungen von Tetanus und Influenza 6 Wochen vor der Geburt erhöhen den Antikörper in der Kollostralmilch.

Die dritte, und bis vor kurzem am wenigsten beachtete Form ist die chronische Entzündung im Verlauf von Nervenbahnen. Als Folge dieser schmerzhaften Veränderungen treten Lahmheiten auf, deren Ursache nur sehr schwer erkannt werden können. In letzter Zeit scheint dieser Aspekt vermehrt dafür herhalten zu müssen, wenn sonst keine Ursachen einer Lahmheit festgestellt werden können. Das geht soweit, dass sogar die Herpesimpfung als Auslöser solcher Symptome vermutet wird und damit die Impfung in Verruf gebracht wird.

Diese komplementärmedizinischen Theorien sind durch nichts nachgewiesen. Und eine derart hochfieberhafte und das gesamte restliche Leben beeinflussende Krankheit scheint mir nicht dazu angetan, komplementärmedizinische Theorien auszuleben und Schutzimpfungen ins schlechte Licht zu rücken. Nicht jede Lahmheit, für die bei der ersten Untersuchung keine Ursache zu finden ist, wird durch eine Herpesinfektion oder –impfung verursacht. Akupunktur und Homöopathie sind eine feine Sache. Wie sie wirklich funktionieren, wissen wir alle nicht. Besonders in der Orthopädie erzielen wir mit der Akupunktur verblüffende Erfolge. Erfahrene chinesische Mediziner, die damit aufgewachsen sind, mögen das Prinzip soweit verstehen, dass sie Schutzimpfungen, die es in den Weiten Chinas ohnehin nicht gibt, für entbehrlich halten können.

Wir hier mit unserer westlich orientierten Ausbildung sind dazu nicht im Stande und sollten daher auf einen optimalen Impfschutz achten. Nur so können wir unsere Pferde im Rahmen eines Gesundheits- managements gesund erhalten und größere Seuchenzüge verhindern. Das eine sollte auch bewußt werden, dass nur ein ausreichender Impfschutz gewährleistet werden kann, wenn der gesamte Bestand (Stall) geimpft wurde und die Impfungen zeitgleich bei allen Pferden durchgeführt werden. 

Das richtige Futter, die artgerechte Haltung mit entsprechendem Auslauf, regelmäßige Entwurmung und regelmäßige notwendige Schutzimpfungen gewährleisten ein gesundes Leben für unsere Freunde – die Pferde.

 

 

 

 © 2009 Hartmann
Stand: 04. Okt 2009