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Kissing
Spines Das
Pferd ist von Natur aus eigentlich nicht zum Tragen von Lasten bzw. Reitern gebaut. Die
Wirbelsäule des Pferdes lässt sich mit einer Brückenkonstruktion vergleichen, bei
der die Vor- und Hinterhand den Brückenpfeilern gleichen. Die eigentliche Brücke
wird von der Wirbelsäule und der Rückenmuskulatur gebildet. Stabil wird diese Brücke
erst, wenn sich durch das Anspannen der Bauchmuskulatur der Pferderücken nach oben wölbt.
Die Bauchmuskulatur stützt also die Wirbelsäule zwischen den zwei Pfeilern und
sorgt gleichzeitig dafür, dass sich die Dornfortsätze an den Wirbelkörpern
voneinander entfernen. Die dazwischen liegenden Bänder schützen die Wirbelsäule
vor einer zu starken Aufkrümmung. Der lange Rückenmuskel ist der wesentliche
Stabilisator der „Wirbelbrücke“. Dieser Muskel ist paarig ausgebildet, dass heißt,
er befindet sich auf beiden Seiten des Rückens an den Dornfortsätzen. Allein die
Ausprägung des langen Rückenmuskels kann dem Tierarzt in vielen Fällen Hinweise
auf ein Rückenproblem geben. Dabei gilt: Je stärker dieser Muskel ausgebildet ist,
umso besser kann er die empfindlichen Wirbelkörper schützen und stützen. Die
gesamte Rückenmuskulatur des Pferdes hat eine stoßdämpfende Funktion, denn die
Wirbelsäule wird bei jedem Tritt oder Sprung einer Erschütterung ausgesetzt. Veränderungen
an der Wirbelsäule entstehen schnell, da der Sattel und damit das Reitergewicht
zwischen dem 12. und 18. Brustwirbel liegt. Hier sind die Abstände zwischen den
Dornfortsätzen enger als an anderen Abschnitten der Wirbelsäule. Wenn keine
trainierten Muskeln (an Rücken und Bauch) die Wirbelsäule stabilisieren, bekommt
das Pferd schnell ein Problem. Muskeln
bekommt es nur, wenn es im Training lernt, den Rücken aufzuwölben und mit
energischen Tritten zu federn. Nur über eine gedehnte Oberlinie mit einem
schwingenden, gelösten Rücken wird das Pferd rund und die hierbei kontrahierende
Lenden- und Bauchmuskulatur gestattet dem Pferd freies Untertreten. Infolge
der Nichtbeachtung anatomischer Zusammenhänge muss man leider davon ausgehen, dass
die meisten Rückenprobleme bei Pferden tatsächlich hausgemacht sind. Wem die
dauerhafte Gesunderhaltung seines vierbeinigen Partners am Herzen liegt, wird also
durch richtige und regelmäßige Dehnungsgymnastik dafür sorgen, dass es gar nicht
dazu kommt. Häufige
Anzeichen für ein ernst zu nehmendes Problem im Bereich des Pferderückens sind:
Wenn
das Pferd ein oder gar mehrere Symptome aufweist, sollte es einem Tierarzt
vorgestellt werden. Dieser wird in der Regel mehr über die Vorgeschichte des Pferdes
erfahren wollen, den Rücken eingehend betrachten und gründlich abtasten. Um eine
erste Diagnose zu erstellen ist es außerdem erforderlich, dass der Tierarzt das
Pferd an der Longe und unter dem Reiter sieht. Beim Abtasten des Rückens testet der
Tierarzt, wie das Pferd auf Belastung im Rücken reagiert und erkennt, wo sich
Verspannungen befinden. Die
Reaktion des Pferdes auf den Druck kann sich soweit steigern, dass es nach hinten
ausschlägt oder „in die Knie“ geht. In diesem Fall muss herausgefunden werden,
wo genau die Schmerzen ausgelöst werden. Um die Diagnose auf den Punkt zu bringen,
gibt es mehrere Möglichkeiten: Man kann den Rücken des Pferdes röntgen lassen,
einzelne Rückenbereiche betäuben, um zu sehen, ob der Schmerz dort sitzt oder in
sehr komplizierten Fällen eine szintigraphische Untersuchung machen lassen. Eine
häufige Ursache für Rückenschmerzen sind die sogenannten „Kissing Spines“. Bei
dieser Krankheit berühren sich (durch einen untrainierten, durchhängenden Pferderücken)
an einer oder mehreren Stellen die Dornfortsätze der Brust- und Lendenwirbel. Die
eigentlichen Rückenprobleme entstehen, wenn die Dornfortsätze aneinander scheuern
und sich entzünden. Bestimmte
Pferdetypen mit speziellen anatomischen Gegebenheiten (zum Beispiel ein zu langer Rücken
oder ein Senkrücken) neigen besonders zu Rückenproblemen. Pferde mit Senkrücken
sind eher Kissing-Spine-gefährdet, weil die Dornfortsätze an ihrer durchhängenden
Wirbelsäule zum Aneinanderliegen und Überlappen neigen. Allerdings berühren sich
die Dornfortsätze beim typischen Alters-Senkrücken nicht zwangsläufig. Wenn ein
altes Pferd sich gut längs biegen lässt und in die Tiefe nach vorne streckt, kann
es ruhig einen Senkrücken haben. In
den meisten Fällen sind reiterliche Fehler und lang andauernde falsche Einwirkung in
Kombination mit nicht artgerechter Haltung die Ursache für Rückenprobleme. Zu wenig
Weidegang, langes Stehen in der Box und schlechte Gymnastizierung führen zu
einseitiger Belastung und zur Überanstrengung einzelner Rückenpartien. Neben
passenden Sätteln und artgerechter Haltung können also vor allem gute Ausbilder und
richtiges Reiten verhindern, dass aus dem Röntgenbefund Kissing Spines eine
schmerzhafte Krankheit wird. Für
ein Pferd, dass Kissing Spine hat, gilt daher erst recht, was für alle Pferde
selbstverständlich sein sollte: Es muss seinen Rücken aufwölben, weil es so die
Wirbel und mit ihnen die Dornfortsätze auseinanderzieht. Läuft es verspannt im
Hohlkreuz, werden die Dornfortsätze noch stärker aneinander gepresst. Typische
Trainingsfehler, die ein Pferd mit Kissing Spine unreitbar machen sind es mit hohem
Kopf und weggedrückten Rücken an den Zügel zu zwingen, ihm keine Lösungsphase zu
gönnen und es nicht rund zu reiten. Ständige,
andauernde Rückenschmerzen machen viele Kissing-Spine-Pferde unreitbar. Sind die
Knochenwucherungen (es lagert sich Kalk ab) verwachsen, werden manche Pferde wieder
reitbar, aber ihr Rücken kann nicht mehr so elastisch schwingen und ihre Gänge
werden flacher. Weil
sich die verwachsenen Dornfortsätze nicht trennen lassen, ist Kissing Spine
unheilbar, aber keine Katastrophe. Entscheidend ist, dass das Pferd zunächst
schmerzfrei wird (dazu spritzen die meisten Tierärzte Entzündungshemmer an die
betroffene Stelle/n). Dann muss vor allem das Training des Pferdes dauerhaft
umgestellt werden. Bei extremen Kissing Spines hilft nur noch eine Operation, bei der
die betroffenen Dornfortsätze abgesägt werden. Solche Pferde haben später eine
Delle in der Wirbelsäule (können aber nach 3-4 Monaten langsam wieder geritten
werden). Nach
den ethischen Grundsätzen ist jeder Reiter dazu angehalten, für die Gesundheit und
das Wohlergehen seines Pferdes zu sorgen. Also
sollte auf artgerechte Haltung und „richtiges“ Reiten Wert legen. Unabhängig
von Verwendungszweck und Reitweise, denn sonst sind gesundheitliche Probleme
vorprogrammiert!
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© 2009 Hartmann
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