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Untugenden / Verhaltensstörungen / Abhilfe

Als Verhaltensstörung kann zunächst jedes Verhalten angesehen werden, welches 
in seiner Art, Ausprägung und Dauer in nicht angemessener Weise auf eine Situation 
oder einen Reiz entsteht und ein dauerhaftes Leiden des Patienten darstellt.

Ein nur gelegentlich auftretendes auffälliges Verhalten kann man eventuell als Verhaltensauffälligkeit bezeichnen, eine Störung ist es erst, wenn es im Rahmen des Verhaltensrepertoires der Pferde einseitige, stereotype und der Situation unangemessene Wiederholungen gibt. 

Solange es einen Grund für eine Angstreaktion gibt, ist sie angemessen und überlebenswichtig. Tritt dasselbe Verhalten jedoch wiederholt ohne einen echten Grund auf, so können wir von einer Verhaltensstörung sprechen. 
Wenn ein Pferd, weil es auf die Weide und zu den anderen Pferden will, sich in seiner Box aufgeregt von einem auf das andere Bein bewegt, so ist das seiner Erregung zuzuschreiben und in keiner Weise als Störung zu bezeichnen. 

Tritt das gleiche Verhalten jedoch als dauerhafte Verhaltensweise und ohne ersichtlichen Grund auf, so können wir auch hier von einer Verhaltensstörung sprechen.

Doch nicht jedes Verhalten, das dem Tierhalter unverständlich ist, wird damit auch gleich eine Verhaltensstörung. Die meisten Probleme, die sich im Umgang mit Pferden ergeben sind sogar vorrangig auf das Verhalten des Pferdehalters oder Reiters zurückzuführen. 

Häufig erzieht der Halter das Pferd ganz unbewusst zu Verhaltensweisen, die ihn anschließend dauerhaft nerven. Viele Pferdebesitzer haben immer etwas für ihre Lieblinge in der Tasche. Häufig fordern die Pferde die Tierhalter (in) mit einer deutlichen Kopfbewegung auf, ihm ein Leckerli zu geben, was diese (r) auch bereitwillig tut. 

Anschließend wundern sich genau diese Pferdebesitzer, dass ihr Pferd macht, was es will. Dann heißt es, er ist bockig oder stur. Aus seiner Perspektive hat das Pferd berechtigterweise den Eindruck, daß es ranghöher steht und sieht damit auch keine Veranlassung, dem Tierhalter zu folgen oder ihm zu gehorchen. 
Denn das Reiben des Kopfes an einem anderen Pferd oder das Stupsen mit dem Kopf wird nur den Ranghöheren gewährt und wer das Sagen beim Fressen hat, der hat es in der Regel auch im alltäglichen Umgang.

In der Humanpsychologie geht man davon aus, dass Verhaltensstörungen häufig frühkindliche Ursachen haben. Teilweise können diese Ursachen sogar auf den emotionalen Zustand der Mutter während der Schwangerschaft zurückgeführt werden. 
Für Verhaltensstörungen bei Pferden gilt daher nach den Ursachen zu forschen, auslösende Situationen können der abrupte Wechsel von einem in den anderen Stall sein oder der Tod der Mutterstute, der zu harte Umgang des Tierhalters mit dem Tier, es können aber auch einfach traumatische Ereignisse sein, wie ein Unfall mit dem Pferdetransporter oder der traumatisierende Versuch dem Pferd beizubringen in den Hänger zu gehen. 
Eine Lösung dieser Probleme kann es nur über die mögliche Verarbeitung der traumatischen Ereignisse geben. Bei der Therapie von Verhaltensauffälligkeiten und Verhaltensstörungen ist daher vor allem auf drei Aspekte zu achten.

1. Die Haltungsbedingungen
Besonders das Weben aber auch das Koppen und sogar das Sandfressen sind größtenteils auf haltungsbedingten Stress zurückzuführen. Oft ist durch eine Offenstallhaltung und die Integration in eine Herde schon sehr viel erreicht. Besonders die Boxenhaltung, bei der die Tiere kaum Kontakt zu ihren Artgenossen haben, trägt zu solchen Verhaltensstörungen bei. Bei Pferden, die Sand fressen aber auch bei Koppern, ist es sehr wichtig, dass sie den ganzen Tag über Rauhfutter zu sich nehmen können. Die Bereitstellung von ausreichend Heu oder Stroh für eine regelmäßige Futteraufnahme sowie die Bereitstellung von Zweigen (Weide und Birke, aber auch Pappel oder Ahorn sind sehr gut geeignet, lassen das Problem nach einer Weile oft gänzlich verschwinden. Dies gilt jedoch nur, wenn die Ursachen ausschließlich in den Äußeren Haltungsbedingungen zu suchen sind.

2. Das Verhalten des/der Halter (in)
Da alle an der Pflege, Haltung und Nutzung des Pferdes beteiligten Personen potentiell zu einer unbewussten Verstärkung des Pferdeverhaltens beitragen können, sollte das Verhalten aller Kontaktpersonen überdacht werden und alle Beteiligten sollten unbewusst bestätigende Verhaltensweisen konsequent unterlassen. Das Schlagen von manchen Pferden gegen die Stalltür hat oftmals eine prompte Reaktion zur Folge. Jemand kommt gucken und selbst wenn er das Pferd anbrüllt, erhält das Pferd dadurch Aufmerksamkeit. Auch Reaktionen auf das Weben oder Koppen der Pferde stellen aus Sicht des Tieres eine Form der Aufmerksamkeit und damit eine Bestätigung dar. Der Tierhalter muss also zunächst sein Verhältnis zum Tier überdenken. Innere und äußere Gelassenheit tragen bereits sehr viel zur Beruhigung des Tieres bei und das konsequente Ignorieren bestimmter fordernder oder Aufmerksamkeit erheischender Verhaltensweisen trägt ihren Teil zur „Therapie“ des Patienten bei.

3. Die therapeutische Maßnahme
Die Verhaltenskunde und vor allem die Therapie der Verhaltensstörungen hat bisher einen sehr geringen Anteil am Studium der Tiermedizin eingenommen. Um so erfreulicher sind neuere Entwicklungen, die diesem Fachgebiet mehr Aufmerksamkeit verschaffen. Bedauerlicherweise finden in diesem Zusammenhang auch Befürworter von Psychopharmaka Gehör. Die medikamentöse Behandlung durch Psychopharmaka allein hat in der humanen Psychiatrie jedoch nur palliative (am Symptom orientierte) Erfolge zu verzeichnen. Die Heilung psychischer Störungen ist hingegen nur über die Bearbeitung der Ursachen möglich. Das hieße im übertragenen Sinne, das Pferd müsste auf die Couch.

Einen Patienten mit Beruhigungsmitteln voll zustopfen, um sein Verhalten zu unterdrücken, wird eventuell beim Verkauf von Pferden für den einen oder anderen Pferdehändler von Nutzen sein, doch für den Reiter, der von seinem Pferd getragen und sicher bewegt werden möchte, dürfte dies weniger Sicherheit und Freude bedeuten.

Verhaltenskundler und Tierpsychologen meinen vielmehr, dass eine echte Therapie beim Verständnis des Patienten beginnen muss. Die Ursache des Verhaltens muss verstanden werden, nur so kann es eine Lösung geben. Dazu bedarf es einer gründlichen Untersuchung und einer eingehenden Analyse der Verhaltensstörung. Aus dieser Analyse ergibt sich, je nach Therapierichtung, eine etwas andere Vorgehensweise. Grundsätzlich sind hier nur Therapieformen erfolgversprechend, die in der Lage sind, den Patienten aus seinem stereotypen Verhaltensmuster zu befreien. Ihn aus der inneren Anspannung, dem Stressthema zu entlassen, muss das Ziel dieser Therapie sein. Die klassische Homöopathie gehört zu den wohl effektivsten Methoden in diesem Bereich. Sie setzt mit ihrer Therapie genau an diesem Punkt an. Aber wie bereits erwähnt, können auch andere Therapiemethoden, wie die Touch- Methode oder das Feldenkrais- Reiten zur Harmonisierung des Patienten beitragen.

Als wichtigste Ergänzung sollte eine gezielte Verhaltenstherapie im Sinne einer Umkonditionierung angesehen werden. Durch gezielt eingesetzte Signale wird dem Patienten eine Abweichung von seiner bisherigen Konditionierung ermöglicht. Das kann ein Geräusch oder ein Geruch, eine Bewegung oder ein anderer Impuls sein, der das Tier immer dann aus seinem Verhaltensmuster herausholt, wenn es gerade wieder damit beginnen will. Diese Methode ist jedoch sehr zeitintensiv und verlangt nicht nur sehr viel Wissen sondern auch eine Menge Übung, denn bei einer Umkonditionierung kann es genauso schnell zu neuen „dummen“ Angewohnheiten kommen. Sie sollten sich daher nur an erfahrene Verhaltenstherapeuten wenden.

Eine echte Verhaltensstörung ist immer Ausdruck für ein psychisches Ungleichgewicht. Die Homöopathie sieht dies ganz genauso, und sie geht sogar noch etwas weiter. Sie sagt, dass jede Form der Erkrankung Ausdruck für ein Ungleichgewicht auf körperlicher, emotionaler und geistiger Ebene ist. Heilung ist möglich, wenn das Muster dieses Ungleichgewichtes durch die richtige homöopathische Arznei „gespiegelt“ wird. Es muss jedoch eine Arznei sein, die in der Lage ist, bei einem gesunden Menschen oder Tier genau dieses Muster an Symptomen zu erzeugen.

Für die homöopathische Therapie von Verhaltensauffälligkeiten oder Störungen ist es daher wichtig, eine Arznei zu finden, die genau dieses Bild erzeugen kann. Es muss eine Arznei sein, die den Menschen oder das Tier veranlasst, sich hin und her zu wiegen, oder ständig zu schlucken um damit willentlich ein Rülpsen zu erzeugen. Aber es muss auch die inneren Beweggründe für dieses Verhalten und die Empfänglichkeit für bestimmte auslösende Ursachen enthalten. Und es sollte ebenso die gleichen Empfindlichkeiten auf äußere Einflüsse, wie Wetterbedingungen, Wärme, Kälte, Nässe, Zugluft bei einem gesunden Menschen oder Tier erzeugen können, wie der Patient es zeigt, dann ist es die richtige Arznei und kann den Patienten von seinem Leiden befreien.

 

Herzlich Willkommen!!

 

 © 2009 Hartmann
Stand: 03. Okt 2009